Wild Berry: Strawberry, Orange Creamsicle, Mango Passion, Coconut, Dragon’s Blood, Opium, Frankincense
Im August 2025 veröffentlichte Nathan An Evening with “America’s Best Incense:” Wild Berry auf seinem Blog. Kurz darauf hat er mir angeboten, seinen Einkauf bei Wild Berry an mich weiterzuleiten.
Einige Wochen später fand ich dann einen dick mit Paketklebeband versiegelten Versandkarton in meiner Post.
Wild Berry sind definitiv etwas für draußen und sowohl meine Review-Saison als auch die Balkon-Saison hatten bereits ihr Ende erreicht, also habe ich das Päckchen erst mal verstaut.
Jetzt, wo der Sommer Deutschland erreicht hat, habe ich sie hervorgekramt und endlich getestet.

Wild Berry ist eine amerikanische Marke und in den USA sehr populär, jedenfalls unter den Leuten, die getauchte Räucherstäbchen mögen.
Zu denen gehöre ich definitiv nicht, aber trotzdem nutze ich immer gerne eine Gelegenheit, um mir eine eigene Meinung zu bilden, vor allem wenn es um bekannte (und berüchtigte) Marken wie Wild Berry geht, die bei uns noch dazu nicht zu bekommen sind.
Am bekanntesten sind Wild Berry’s Traditional Sticks in 11″ (ca. 28cm) – welche in Wirklichkeit aber nur 27cm lang sind. Der blanke Teil des Bambusstäbchens macht in etwa ein Drittel der Gesamtlänge aus. Was den Teigauftrag angeht, sind wir also realistisch eher im Bereich ganz gewöhnlicher 8″ Stäbchen.
Eine Packung mit 15 Stäbchen kostet 4.50$ (aktuell etwa 3,90€); es gibt auch noch größere Gebinde bis 300 Stäbchen (78,00$). Bei der 15er-Packung ergibt sich ein Stückpreis von ca. 0,26€.
Den Reviews ist die jeweilige Beschreibung aus dem Wild Berry Shop vorangestellt.

Strawberry
„Ein Duft nach sonnengereiften Erdbeeren mit Noten von Apfel, Agavennektar und Vanille.“
Meine erste Assoziation zum Rohgeruch waren Erdbeer „Drachenzungen“ (auch Saure Bänder genannt). Mit der Nase direkt an die Öffnung der Packung zu gehen, bietet ein überfordernd starkes Dufterlebnis; der Geruch übersteuert wie zu laut aufgedrehte Lautsprecher. Der Geruch lässt mich an allerlei künstliche Aromen denken. Neben Erdbeere kommen mir auch Kirsche und Banane in den Sinn.
Vom intensiven Riechen an der Tüte musste ich erst husten, dann hat es mich sogar gewürgt. 🤢
Das erste Stäbchen aus der Packung wollte nicht brennen bleiben, ich habe es einige Male versucht, aber die Glut ist jedes Mal gestorben. Das nächste Stäbchen hatte etwas Startschwierigkeiten, blieb aber brennen.
Der Geruch ist wirklich seltsam. Er erinnert immer noch an Süßigkeiten mit Erdbeeraroma, aber darunter mischen sich Noten, die irgendwo zwischen Seife und zersetzendem Plastik angesiedelt sind.
Ich habe mir vor Urzeiten mal eine Großpackung Erdbeer-Lutscher gekauft, die ich nie geschafft habe, aufzubrauchen. Irgendwann habe ich festgestellt, dass sie einen seltsamen Geruch entwickelt hatten: immer noch „Erdbeer“ aber mit einer ekligen, bitteren Note. Daran erinnert mich Strawberry.
Außerdem finde ich, dass man trotz der Potenz des Duftes, das Basismaterial unangenehm herausriecht.
Wenn der Rauch direkt in meine Richtung weht, hat es einen ähnlichen Effekt, wie wenn man Seife in den Mund bekommt. 🙁
Von Strawberry hat mir Nathan auch die Kegel-Variante geschickt.
Diese sind wohl rein kohlebasiert und der Geruch ist etwas anders. Roh erinnern sie mich ebenfalls an Süßigkeiten mit Erdbeergeschmack, aber die Intensität ist nicht derartig überwältigend wie bei den Stäbchen.
Bevor ich einen Kegel angezündet hatte, war ich sogar noch positiv überrascht.
Sobald dieser gebrannt hat, war es damit allerdings vorbei.
Beim Abbrennen entsteht dieser spezielle Geruch, wie wenn man im Bad einen Heizlüfter laufen hat und dieser Parfümnebel einsaugt, der dann an den Glühelementen verbrennt.
Würden die Kegel verbrannt genauso riechen wie roh, würde ich sie vielleicht sogar gelegentlich mögen.

Orange Creamsicle
„Ein cremiger Zitrusduft mit zarten Noten von Orange, Zitronenschale, süßer Ananas, Kokosnuss und Mandarine.“
Der Rohgeruch erinnert mich an Nimm2 mit Seife.
Das brennende Stäbchen habe ich in etwa einem Meter Entfernung vor mir auf dem Geländer des Balkons platziert. Selbst hier an der frischen Luft ist der Geruch sofort übersättigend, sobald der Rauch auch nur annähernd in meine Richtung geweht wird.
Mit etwas mehr Abstand tritt die cremige, übertriebene Süße des Duftes hervor, die für mich eher einem Vanillearoma entspricht als Kokosnuss. Dazu kommt Orangenaroma. Es riecht tatsächlich, als hätte man die Essenz eines Eis am Stiel synthetisch konzentriert und in Räucherstäbchen gepackt.
Im ersten Moment empfinde ich den Geruch als gar nicht so schlecht, aber dann taucht wieder dieser unangenehme Geruch auf: wie ein in Brand gesetzter Reed-Diffusor; etwas, das brennt, aber nicht dafür gemacht ist.
Den von Strawberry bereits vorgestellten „Seife-im-Mund“-Effekt gibt es obendrein.

Mango Passion
„Ein exotischer Duft nach Mango und Passionsfrucht mit Noten von Mandarine, Nektarine und kandierter Orangenschale.“
Der Rohgeruch von Mango Passion bringt erneut eine Assoziation zu sauren, künstlich aromatisierten Süßigkeiten, etwa Skittles; dazu etwas Seife.
Gleich nach dem Anzünden ist da wieder dieser unangenehme Geruch von Seife und altem Plastik.
Mango kann ich hier nicht erkennen, auch keine künstliche. Am ehesten riecht es noch nach Maracuja (Passionsfrucht), aber hauptsächlich riecht es seifig.

Coconut
„Ein Duft nach gerösteter Kokoscreme mit Noten von zarter Vanilleschote und nussiger Praline.“
Ich hatte Nathan gebeten, Coconut nicht mitzuschicken, weil ich Kokosnussgerüchte grundsätzlich nicht mag, aber er hat es entweder vergessen oder ignoriert. Nun, da ich sie habe, werden sie auch probiert …
Im Rohgeruch haben wir wieder Seife, diesmal mit Kokosnussduft.
Was soll ich sagen? Sie sind besser als Milo’s Temple – Coconut aber das ist keine große Kunst.
Auf ähnliche Weise übersüßt wie vorherige Düfte, mit künstlich anmutendem Kokosnussaroma und diesmal nur einem leicht seifigen Ton. Allerdings erzeugt der Geruch bei mir ein ekliges Gefühl am Gaumen.

Dragon’s Blood
„Ein exotischer, erdiger Duft mit subtilen Noten von Kiefernnadeln, arabischem Sandelholz, Moschus und Amber. Inspiriert von dem aromatischen, leuchtend roten Harz des Drachenbaum-Baumes (Dracaena draco).“
Nathan hat in seinem Review geschrieben: „Dieses Stäbchen duftet nach Backgewürzen und herben Früchten – eine Beschreibung, die verblüffend nah an dem liegt, wie ich echtes Drachenblutharz beschreiben würde; und doch riecht es irgendwie überhaupt nicht danach.„
Und so ging es mir bisher mit praktisch allen „Drachenblut“ Räucherstäbchen.
Der Rohgeruch ist überraschend anders als erwartet. In der Tat sehr würzig, hat er für mich aber auch einen Touch herber Kräuterseife und einen Anklang von altmodischem Frauenparfüm; schwer und floral.
Das brennende Stäbchen riecht weniger schlimm, als mich die vorherigen Wild Berry Exemplare haben erwarten lassen. Es ist recht ähnlich dem Rohgeruch, aber tatsächlich weniger seifig, dafür deutlich süßer.
Ich stimme Nathans „Backgewürzen“ voll zu, nur von den herben Früchten rieche ich weniger. Andere Drachenblut-Räucherstäbchen hatten nicht diese Würzigkeit, aber dafür viel mehr dieser herb-fruchtigen Note, welche in der Tat dem nahekommt, wie ich Drachenblut-Harz beschreiben würde, ohne wirklich wie Drachenblut zu riechen.

Opium
„Ein reichhaltiger, würziger Duft mit zarten Noten von Petitgrain, sanfter Zitrone, Ylang-Ylang, Nelkenblüten, Zimt, Patchouli und warmer Vanille. Unsere Interpretation des beliebten Parfüms von YSL.“
Opium – meine Nemesis. Noch nie hatte ich „Opium“-Räucherstäbchen, die mochte. Vor einer Weile hatte ich mal die Gelegenheit, an einer Knockoff-Version des berühmten Parfüms von Yves Saint Laurent zu riechen und mochte auch das nicht; es scheint also nicht primär die Schuld der Räucherstäbchen zu sein.
Die Stäbchen haben einen sehr starken Rohgeruch, der für mich einfach nur nach schwerem, überladen-floralem Parfüm riecht, welches ich als sehr altmodisch empfinde. Dazu kommt erneut herbe Seife.
Angezündet riecht das Stäbchen noch einmal seifiger als zuvor und der Geruch ist wirklich wahnsinnig potent. Bei Opium muss der Rauch nicht mal in meine Richtung ziehen, dass es mir zu viel wird.
Ich habe schon nach dem zweiten oder dritten Wild Berry Stäbchen gemerkt, wie sich ein Kratzen in meinem Hals aufbaut; dieser schwere Duft legt sich zusätzlich auf meine Bronchien.
Ähnlich wie bei den Strawberry-Kegeln finde ich auch die Kegelversion von Opium „besser“, allerdings immer noch weit entfernt von gut.

Frankincense
„Ein exotischer tunesischer Weihrauchduft mit tiefen Noten von holziger Würze und hellem Balsam.“
Nachdem ich letztes Jahr ein paar andere Beispiele von getauchten „Frankincense“ (Weihrauch) Räucherstäbchen probieren konnte, habe ich von Wild Berry – Frankincense Ähnliches erwartet: einen trocken-harzigen „Incense“ Geruch (wie es die Parfümindustrie nennt).
Die Beschreibung des Duftes gibt mir Rätsel auf: „Tunesischer Weihrauch“. Tunesien ist ein Land an der Küste des afrikanischen Kontinents, die Europa am nächsten liegt. Als Weihrauchland ist es nicht bekannt.
Auch „heller Balsam“ ist eine Beschreibung, die nicht wirklich etwas aussagt. Balsam kann sowohl flüssige Harze von Nadelbäumen, insbesondere der Balsamtanne meinen (der fast farblos ist, aber einen frischen, hellen Geruch hat), als auch Balsamharze wie Tolubalsam, welcher honigartig süß riecht und etwa die Farbe von hellem Karamell oder Toffee hat.
Der Rohgeruch von Frankincense war mit Abstand die größte Überraschung aus diesem Paket: Gewürze wie Nelke und Zimt mit einer orangigen Zitrusnote – es ist praktisch ein Weihnachtsduft, wie ein synthetischer Lebkuchen!
Ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber erleichtert sein sollte. Es riecht um Längen besser als z.B. die Weihrauchinterpretation von Zam Zam, aber es riecht auch sowas von gar nicht nach Weihrauch.
Mir ist aufgefallen, dass für die Stäbchen in dieser Auswahl mit zwei unterschiedlichen Blanks (unbeduftete Stäbchen, für die Herstellung von getauchten Räucherstäbchen) verwendet wurden.
Orange Creamsicle und Mango Passion sehen extrudiert aus, alle anderen sind nach unten dünner werdend und somit anders gefertigt. Das Basismaterial scheint jedoch bei allen eine Art Holzmehl zu sein.
Nach den ersten paar Stäbchen hatte ich den Eindruck, dass man das Material der extrudierten Stäbchen weniger herausriecht, aber das hat sich mit den darauffolgenden Sorten relativiert.
Abschließend kann ich nur sagen, dass mir für diese Art von getauchten Räucherstäbchen wohl einfach die richtigen Gene fehlen, um sie wertschätzen zu können.
Wild Berry waren für mich definitiv ein Erlebnis – wenn auch kein sonderlich angenehmes. Aber jetzt weiß ich wenigstens aus erster Hand, wie sie riechen.
Die übrigen Stäbchen (und Kegel) werde ich an meinen Freund Sascha weiterreichen. Er würde gerne alle Räucherstäbchen dieser Welt probieren, und dabei helfe ich ihm gerne. 😉
