2026 – Quo vadis?
So viel Räucherwerk, so wenig Zeit
In diesem März starten wir bereits ins fünfte Jahr von Rauchfahne. Wie schnell doch die Zeit vergeht …
Im Grunde genommen könnte ich den ersten Absatz aus dem letztjährigen Artikel hier 1:1 übernehmen; ich habe Reviews geschrieben wie eine Wahnsinnige und die kalten Monate überwiegend mit Übersetzen verbracht, wovon die letzten jetzt im Merz veröffentlicht werden.
Es hat viel Spaß gemacht, aber ich merke auch, dass ich das nicht dauerhaft so durchziehen kann.
Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, es 2026 ruhiger angehen zu lassen und vorerst keine neuen Samples mehr anzunehmen. Mein Vorrat an unreviewtem Räucherwerk ist enorm und es macht für mich keinen Sinn – noch fände ich es fair – immer mehr anzunehmen, während die vorhandenen Sachen sprichwörtlich Staub ansetzen.
Die kommende Review-Saison werde ich also ausschließlich den Dingen widmen, die bisher liegen geblieben sind, und zudem das Pacing herunterschrauben. Ich möchte nicht länger „wie am Fließband“ Reviews raushauen und dabei riskieren, dass ich ausbrenne.
Ich spüre außerdem, dass meine „Räucherstäbchen-Phase“ an Momentum verliert und mein Interesse sich wieder mehr meiner eigentlichen „großen Liebe“, den rohen Räucherwerk-Materialien, losen Mischungen und geknetetem Räucherwerk, zuwendet.
Die Lautheit und Intensität mancher indischer Räucherstäbchen fängt an, mir etwas zu viel zu werden, und ich sehne mich nach Subtilität und naturnaheren Geruchserfahrungen.
Räucherwerk-Spiele
Steve Pereira hat mich zu einem kleinen Experiment eingeladen: einem „Incense Blind Taste Test“.
Mit Unterstützung seiner Frau hat er für uns jeweils ein Paket aus nur mit Nummern beschrifteten Samples zusammengestellt. Es sind sehr viele, auch um das Identifizieren für Steve schwerer zu machen, da die Stäbchen ja aus seiner Sammlung stammen.
Wir haben das Paket in 4 Bündel à 20 Sorten aufgeteilt und werden diese nacheinander in je 3 Runden durchgehen:
- In der ersten Runde werden wir Notizen machen, eine simple Wertung darüber abgeben, wie sehr wir die Stäbchen mögen, und eine von sieben möglichen Regionen auswählen (Bangalore, Pondicherry, Pune, Pushkar, Vrindavan, andere, und nicht Indien).
- In der zweiten Runde erfahren wir die vorhandenen Namen und Hersteller, aber nicht, welche Information zu welchen Stäbchen gehört. Unsere Aufgabe wird sein, die Informationen den richtigen Räucherstäbchen zuzuordnen.
- Der dritte und letzte Durchgang ist dafür gedacht, mit dem Wissen, um was es sich jeweils handelt, erneut eine Wertung abzugeben und mit den Notizen der ersten Runde zu vergleichen.
Steves auserkorenes Ziel ist es, darauf zu kommen, aus welcher Region die Stäbchen stammen und welcher Hersteller dahintersteckt. Er meint, dass es unterscheidbare, regionale Stile gibt, und diese These möchte er belegen.
Ich werde mit der ersten Aufgabe bestimmt gewisse Schwierigkeiten haben, da die Herkunftsregion ein Detail ist, das ich bisher nicht groß beachtet habe, aber ich werde dennoch mein Bestes geben.
Für mich ist dieses Spiel auch deswegen besonders interessant, weil es potenzielle Vorurteile aufdecken kann und Hinweise darauf liefert, wie stark das Wissen über Marke und Name des Duftes unsere Wahrnehmung davon beeinflusst. Werde ich plötzlich Satya Räucherstäbchen mögen, wenn ich nicht weiß, dass sie von Satya stammen?
Wie gut bin ich darin, Düfte zu identifizieren, und werde ich Räucherstäbchen, die ich schon einmal hatte, wiedererkennen?
Wir werden unsere Ergebnisse des Incense Blind Taste Tests mit Sicherheit in irgendeiner Form veröffentlichen, aber wie genau (und wann), ist noch unklar.
Unerwartete Veränderungen
Während ich dabei war, diesen Artikel fertigzustellen, hat mein PC spontan den Dienst quittiert. Von einem Tag auf den anderen hat plötzlich so gut wie nichts mehr funktioniert.
Meine Daten sind sicher, aber der Rechner steht momentan zerlegt bei Max und muss komplett neu aufgesetzt werden.
Übergangsweise arbeite ich mit einem Linux-Laptop, den mir Max geliehen hat.
Tatsächlich bin ich am Überlegen, Windows den Rücken zu kehren und auf Linux umzusteigen, da der Support für Windows 10 eingestellt wurde und ich auf Windows 11 schlichtweg keine Lust habe.
Hundertprozentig überzeugt bin ich von der Idee aber noch nicht.
Adieu, OneNote!
Ich habe damals (vor etwa 6 Jahren) angefangen, OneNote zu benutzen, weil es bereits installiert war und es mir eine zuverlässige, sichere Option zu sein schien.
Über das Commitment, das ich damit eingehen würde, hatte ich mir nicht viele Gedanken gemacht, und später bin ich bei OneNote geblieben, weil der Horror davor, die Masse an generierten Daten umziehen zu müssen, zu groß war.
Ich hatte meine Arbeitsweise an OneNote angepasst und mich mit dem Programm und seinen Limitierungen arrangiert.
2025 kam dann das große OneNote-Update, welches sämtliche meiner internen Links (Querverweise zwischen diversen Review-Notizen, Übersichtsseiten, etc.) geschrottet hat. Yay. 💩
Das neue OneNote hat einige gute Features, die es besser machen als die alte Version, allerdings kam es auch mit einigen Bugs, die ich nicht beheben konnte.
Nun bin ich, mit dem Kollaps meines PCs, unerwartet und alternativlos der Online-Version (und der nicht viel besseren Mobile-App) ausgesetzt, welche
- keine meiner individuellen Tags anzeigt und mich diese weder verwenden, danach suchen noch danach filtern lässt
- und die mir nicht erlaubt, eine Notizbuch-weite Suche durchzuführen
… was es für mich schlichtweg unbrauchbar macht.
(Ich kann aktuell nicht mal nach den Vermerken suchen, wem ich welche Samples schicken wollte. 😐 )
Bisher hatte ich kein wirkliches Problem damit, weil ich ohnehin in der Regel daheim an meinem PC und somit an der Desktop-Version gearbeitet habe. Die anderen Varianten waren nur schnelle Ausweichmöglichkeiten für unterwegs, um mal ein paar Notizen machen zu können.
Unter den aktuellen Umständen hat mir meine überhandnehmende Frustration jedoch schnell gezeigt, wie satt ich OneNote habe. Darum habe ich die Gelegenheit zum Anlass genommen, mich endlich davon zu verabschieden, ob ich mich nun für Linux entscheide oder nicht.
Hallo, Obsidian!
Von Obsidian habe ich vor etwa zwei Jahren das erste Mal gehört. Der Gedanke, die Schnittpunkte zwischen meinen Notizen nicht nur ganz einfach verbinden zu können, sondern diese Verbindungen auch noch visuell darstellen zu lassen, hat mich sofort begeistert. Und Obsidian ist seither sogar noch mächtiger geworden.
Ich befasse mich jetzt seit einer guten Woche intensiv mit dem Programm und fange an, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie mein zukünftiger Workflow aussehen könnte.
Auch wenn ich relativ problemfrei alles von OneNote in Obsidian habe importieren können, diese Notizen sind bisher nichts weiter als Punkte ohne Verbindung, und davon habe ich etwa 2000. (Meine Notizen zu Rohzutaten noch nicht mitgerechnet.)
Ich schätze, es wird mich das restliche Jahr (realistisch wohl eher 2 Jahre) beschäftigen, diese Notizen wieder in eine anständige Form zu bringen und sie richtig in das Obsidian-System zu integrieren, um dessen enormes Potenzial annähernd ausschöpfen zu können.
Das ist ein riesiger Berg an Arbeit, aber ich bin mir sicher, dass es den Aufwand am Ende wert sein wird. Jetzt, wo ich den Dreh einigermaßen raus hab, fängt die Arbeit damit an, richtig Spaß zu machen. Ich bin von Obsidian hellauf begeistert. 😀
Mein Gefühl sagt mir, dass an dieser Stelle ein Schlusssatz fehlt, etwas, das die losen Enden der oberen Absätze verbindet und zu einem runden Abschluss vereint.
Die Wahrheit ist: Vieles ist gerade im Wandel und das kommende Jahr wird anders sein als die zuvor. Wie genau? Ich weiß es nicht. Aber ich begrüße die Veränderung und bin gespannt, wie es weitergeht.

