Rauchfahne
Baieido - Kaiunkoh

Baieido – Kaiunkoh

Kaiunkoh ist einer der neusten Zugänge in meiner Sammlung. Die Sorte scheint zu den populärsten von Baieido zu gehören und ist ein echter Klassiker.
Obwohl ich in den letzten Monaten realisiert habe, dass Baieido’s klassische Düfte nicht meinen Geschmack treffen, war ich trotzdem neugierig. Als ich Anfang des Jahres (2026) eine neuwertige Packung für einen guten Preis auf Kleinanzeigen entdeckte, konnte ich nicht widerstehen.

Die Preise für Kaiunkoh gehen in Deutschland stark auseinander. Padma Store verlangt satte 26,95€, während man bei Klang & Stile nur 14,90€ für die kleine Schachtel zahlt. Sie bieten außerdem die lange Version und eine Großpackung an.
In den USA bezahlt man etwa 20$.
Für diejenigen, die gewillt sind, direkt aus Japan zu bestellen, bietet Wa no Kaori eine kleine Box für 7,95€ an.

Seltsamerweise sind sich diverse Shops über die Zahl der enthaltenen Stäbchen nicht einig. Angaben schwanken zwischen 40 und 62 Stück. Wa no Kaori geben 55 an.
Da aus meiner Packung mittlerweile einige fehlen, aber immer noch 41 Stäbchen enthalten sind, denke ich, dass die höheren Angaben eher zutreffend sind.
Auch bezüglich der Brenndauer ist etwas seltsam. Ist eine angegeben, sind es 30 Minuten, meine brennen aber doppelt so lange.

Die Stäbchen von Kaiunkoh (auch Kai un Koh, oder seltener Kaiunkō geschrieben) sind nicht nur dicker als die meisten japanischen Räucherstäbchen, sie haben auch ein rechteckiges Profil. Beim Rauchausstoß macht sich dies jedoch nicht stark bemerkbar.

Man liest häufig, dass Kaiunkoh ein beliebtes Räucherwerk in buddhistischen Tempeln ist.

Zutaten: Adlerholz (vietnamesisch), Borneol, Kampfer, Cassia, Gewürznelke, Sandelholz und andere.

Der Rohgeruch der Stäbchen ist eine wahre Kampferbombe. Man riecht ihn schon, ohne die Schachtel zu öffnen, und der Geruch hat im Nu auf die gesamte Dose übergegriffen, in der ich kleinere Packungen wie diese aufbewahre.
Direkt an den Stäbchen gerochen, nehme ich zudem eine feine Säure und eine Art brotige, herzhafte Würzigkeit wahr.

Als ich das erste Stäbchen von Kaiunkoh angezündet habe, habe ich es direkt bereut, mir die Schachtel gekauft zu haben. Hatten mir doch bereits die beiden Versionen von Kobunboku gezeigt, dass Baieido’s traditioneller Stil nicht mein Fall ist.
Der Geruch war rauchig, und mit seiner würzigen, und zugleich trockenen Eigenart beinahe harsch.

Die Lernkurve – welche viele japanische Räucherstäbchen haben – im Hinterkopf behaltend, habe ich Kaiunkoh nicht sofort aufgegeben, und schon beim zweiten und auch darauffolgenden Versuchen, konnte ich immer mehr von ihrem Aroma erkennen.

Einer der ersten Aspekte, die ich wahrnehmen konnte, war ein säuerlicher Geruch, der von der Frische des Kampfers begleitet wird.
Unterlegt war dies mit tiefen, holzigen Noten und einer erdigen Würzigkeit.
Das Duftkonzept (vor allem aber die Säure) erinnert mich insgesamt stark an „tibetische“ Räucherstäbchen, bzw. allgemein solche, aus der Himalayaregion.

Trotzdem hat mich der Rauch nach wie vor an Zigarettenrauch erinnert, vor allem gleich nach dem Anzünden eines Stäbchens, aber auch zwischendrin.

Dann setzte in Deutschland die erste Hitzewelle von 2026 ein und die Temperaturen stiegen täglich schnell über 30°C;
Ein Wetter, bei dem viele Räucherstäbchen anfangen, „erdrückt“ zu riechen, irgendwie stumpf.
Ich habe in diesen Tagen mit ein paar Neuzugängen in meiner Sammlung experimentiert und dabei festgestellt, dass solche mit Kampfer bzw. Borneol erstaunlich gut mit diesen Konditionen zurechtkommen.

Oft rieche ich Kampfer fast ausschließlich im Rohgeruch; beim Abbrennen ist es eher so, dass er unsichtbar bleibt, aber andere Zutaten „hebt“. Bei der Hitze wurde er für mich sehr deutlich wahrnehmbar und hat zudem eine angenehm kühlende Eigenschaft.
Mit dieser Feststellung habe ich sofort Kaiunkoh hervorgeholt – die ohne Zweifel die kampferigsten Stäbchen in meiner Sammlung sind – und siehe da: An diesem Tag fand ich sie das erste Mal richtig gut.

Der unangenehme, an Zigarettenrauch erinnernde Geruch ist praktisch verschwunden. Ich kann ihn jetzt nur noch finden, wenn ich nach dem Anzünden direkt vor dem brennenden Stäbchen stehe und eine Rauchschwade abbekomme.

Im Raum ist das Aroma säuerlich-frisch und kamperig kühl.
Obwohl ich so meine Probleme mit Nelke in Räucherstäbchen habe (eine Zutat, die für mich scheinbar per se rauchig und harsch riecht), finde ich nun in Kaiunkoh eine angenehme, würzige Frische, die ich auf Gewürznelken zurückführe.

Das darunterliegende Aroma ist verhalten, aber trotzdem komplex. Eine untrennbare Melange aus trockener Holzigkeit, Gewürzen und einem tiefen, ruhigen, erdigen Ton.
Dabei ist es der würzige Anteil, der für mich immer mehr Facetten hervorbringt. Kommt ein frischer Windstoß zum Fenster herein, passiert es, dass der Duft zurück in meine bewusste Wahrnehmung rückt und sich mir quasi auf neue Weise präsentiert.

Seit dieser Entdeckung sind Kaiunkoh zu meinen Go-to-Räucherstäbchen für richtig heißes Wetter geworden.

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