Rauchfahne

Baieido – Tobiume

Dieses Sample stammt von meinem Freund Povilas. Er hat es mir 2023 geschickt.

Ich bin überrascht, für Tobiume in Deutschland keine Quelle zu finden, wo doch Baieido zu den hier besser vertretenen Marken gehört. In der EU scheint sie nur noch der litauische Etsy-Shop StudioByJV auf Lager zu haben: als Probepackung mit 30 Stäbchen für 6€.
In Amerika findet man die 150-Stück-Box auf Kikoh Incense für 27,99$.
Wa no Kaori in Japan verkaufen dieselbe Packung für 9,95€.
Die Stäbchen sind 13,5cm lang und brennen 25-30 Minuten.

Tobiume bedeutet „fliegender Pflaumenbaum“, was der Name eines berühmten Pflaumenbaumes in Japan ist. Tobiume sind also, wie Shoyeido – Baikaju, eine Hommage an einen Pflaumenbaum.

Zutaten: Adlerholz, Sandelholz, Nelke, Zimt, Costus Wurzel, Narde, Borneol

Tobiume haben mich mit ihrer Süße überrascht. Sie war etwas, das ich von Baieido nicht erwartet hatte, nachdem alle bisher von mir probierten Sorten sehr trocken, un-süß und „traditionell“ waren. (Tobiume wird als „moderne Interpretation von traditionellen, natürlichen Zutaten“ bezeichnet, was auch immer das heißen mag.)

Der Rohgeruch spricht von holzig-warmem Sandelholz, mit einer leichten Süße und einem Umami-Ton, würzigen Noten und einem Hauch Floralität.

Angezündet rieche ich als Erstes eine eher trockene, aber sehr weiche und warme Sandelholznote mit Gewürzen. In der Raumluft verdünnt wird die Süße deutlicher und steigert sich – in Kombination mit den Gewürzen – zu einem Gourmand-Geruch, der mich schon mal an Weihnachtsgebäck erinnern kann.

Dahinter verbergen sich aber noch weitere, subtile Noten.
Ich rieche eine feine Bitternote. An ihr hängt auch der leichte Umami-Ton, den ich schon im Rohgeruch gefunden habe. Dieser Aspekt verleiht Tobiume einiges an Tiefgang und Substanz.
Die prickelnd süße Würzigkeit von Zimt tanzt mit einem weiteren, und für mich schwer greifbaren Aspekt: einer samtigen Weichheit, die sich mit einer recht subtilen, aber lebhaften Spritzigkeit kombiniert. Dieser Aspekt wirkt mal floral, dann wieder eher fruchtig. Er ist es, der für mich das Pflaume-Konzept wirklich zum Leben erweckt.
Die Gewichtung der beiden Eigenschaften nehme ich jedes Mal etwas anders wahr. Was dies hervorruft, weiß ich nicht, aber es scheint nicht alleine das Wetter zu sein.

Ich bin von Tobiume ernsthaft begeistert. Die Komposition ist vielschichtig und facettenreich; sie ist freundlich und unaufdringlich, hat aber trotzdem Substanz.
Tobiume sind für mich um Längen besser als Shoyeido – Baikaju, nicht nur, weil ich den Geruch als komplexer empfinde, sondern auch, weil die Süße von Tobiume eleganter und raffinierter wirkt.

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