Rauchfahne
Minorien - Fu-in - Sandalwood alt

Minorien – Fu-In – Byakudan (Sandalwood)

Minorien – Fu-In – Byakudan werden schon lange als die japanischen Sandelholz-Räucherstäbchen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis empfohlen. Tatsächlich befinden sie sich im Preissegment der Räucherstäbchen für den täglichen Gebrauch, zumindest wenn man sich den Originalpreis in Japan anschaut.

Der international versendende Shop Wa no Kaori verkauft eine 45g Schachtel mit ca. 150 der 14cm langen Stäbchen (wie im Titelbild) für 12,95€. Hat man die Möglichkeit, sie direkt in Japan zu kaufen, zahlt man aber noch mal ein paar Euro weniger.
Im Westen sind die Preise deutlich höher: In England werden sie von Lotus Zen für ca. 39€ verkauft; in den USA zahlt man 31,99$ (umgerechnet ca. 28€). In Deutschland bekommt man sie leider bisher gar nicht. Nur auf eBay findet man gelegentlich Angebote, die entweder aus England versenden oder die Versandkosten schon eingerechnet haben. Dabei landet man mit einer Schachtel wie dieser schon mal bei rund 50-60€.

Seit etwa 2021/2022 lese ich immer mal wieder Kommentare, dass die Rezeptur von Fu-In Sandalwood verändert wurde und die Stäbchen jetzt deutlich schlechter bzw. „es nicht mehr wert“ sind.
Trotzdem werden sie nach wie vor praktisch in jedem Reddit-Thread auf r/Incense empfohlen, der nach guten Sandelholzstäbchen fragt.
Was ist also der Grund dafür? Haben Leute, die sie empfehlen, noch Restbestände der alten Version und wissen nichts von der Veränderung? Sind diejenigen, die Fu-In Sandalwood noch von früher kennen, schlichtweg zu enttäuscht von der aktuellen, um ihr eine Chance zu geben? Sind die neuen Fu-In Sandalwood wirklich schlecht?

Natürlich war ich neugierig auf Fu-In Sandalwood und wollte mir ein Bild von beiden machen. Heuer (2026) hat es sich ergeben, dass ich einige Jahre alte Stäbchen mit einem Sample deutlich jüngerer vergleichen konnte.

Die 45g Schachtel aus dem Titelbild war ein Geschenk von Michael, den ich über Reddit kenne. Sie stammen aus einem Konvolut, das vor einigen Jahren von einer Pfandleihe (in Amerika) auf eBay verkauft wurde.
Nicht lange nachdem ich diese bekommen hatte, ist mir auf Kleinanzeigen ein Angebot reingelaufen, in dem jemand eine größere Auswahl an Probierpackungen vom in Singapur ansässigen Shop Atmosphrere verkauft hat. Darunter auch 6 Stäbchen Fu-In Sandalwood, aus einer Bestellung von 2025.

Schauen wir uns nun die Stäbchen aus beiden Chargen an und vergleichen sie:


Minorien – Fu-In – Sandalwood,
Sample, verkauft 2025 durch Atmosphrere

Die rohen Räucherstäbchen haben einen satten, angenehmen Sandelholzgeruch; sehr holzig, mit einer leichten Süße und viel der typischen Weichheit.

Die angezündeten Stäbchen brennen mit einem weichen, holzigen Sandelholzaroma. Obwohl ich den Duft nicht wirklich als süß empfinde, ist es definitiv keiner dieser trocken-holzigen Sandelholzgerüche.
Für mich ist der Duft sehr rund und angenehm.

Im Raum breitet sich Fu-In Sandalwood auf eher subtile Weise aus, geht aber darin nicht verloren.


Minorien - Fu-in - Sandalwood alt
Minorien - Fu-in - Sandalwood alt

Minorien – Fu-In – Sandalwood, von ca. 2020

Der Duft dieser älteren Version von Fu-In Sandalwood war schon zu riechen, als ich das Päckchen, in dem sie zu mir gekommen sind, geöffnet habe. Es ist ein sehr voller, für japanische Stäbchen kräftiger Sandelholzgeruch. Im Prinzip gleich wie der, der neueren Chargen, aber kräftiger und mit einer satten Butterigkeit.

Von Beginn an zeigen sich die Stäbchen der alten Fu-In Sandalwood als deutlich kräftiger und satter im Geruch.
Auch in dieser Version ist die Süße des Sandelholzes eher hintergründig vorhanden, dafür ist der Duft weich und ausgesprochen butterig.

In meinem Wohnzimmer ist der Geruch dieser einige Jahre alten Fu-In Sandalwood um einiges präsenter als der, der jüngeren Ausgabe, und durchaus raumfüllend.


Resümee:

Auf Reddit kursierte das Gerücht, dass die Packungen mit der neuen Formel statt japanisch „白 檀“ jetzt „Sandalwood“ als Aufschrift tragen.
Das hat für mich nie richtig Sinn ergeben, denn warum sollten Packungen, die für den japanischen Markt gedacht sind, plötzlich eine englische Aufschrift tragen? Ich hatte den Verdacht, dass es sich dabei eher um Export-Packungen handeln könnte.

Um diesen Artikel nicht mit reinen Mutmaßungen abzuschließen, habe ich Ken von Wa no Kaori gefragt, was er von der Behauptung hält.
Ken hat meine Vermutung bestätigt. Er ist überzeugt, dass es sich bei den englischen Packungen um Export-Packungen handeln muss, die nach seinem Wissen denselben Inhalt enthalten, wie die japanischen. In Japan hat keine Packungsänderung stattgefunden, es werden nach wie vor die mit japanischen Schriftzeichen verkauft.

Darüber hinaus hat Ken die gesamte Theorie über die geänderte Rezeptur infrage gestellt. Es sagte, dass es vonseiten der Firma Minorien nie ein offizielles Statement gegeben hätte. Er würde außerdem erwarten, dass eine Rezepturveränderung sich auf die gesamte Linie erstreckt und tatsächlich mit einem Neudesign der Packungen einhergeht.
Um sein Argument zu bekräftigen, durchforstete er die Review-Sektionen mehrerer großer, japanischer Verkaufsplattformen nach Hinweisen auf Veränderungen und fand nichts. Kein einziges Review, das sich über einen veränderten Geruch, oder mindere Qualität beschwert hatte.

Ich muss gestehen, dass ich die Reformulierung bis dato als Fakt behandelt hatte, aber diese Unterhaltung hat mich mehr als stutzig werden lassen.
Wo kamen diese Gerüchte über eine Reformulierung her?

Reddit, bzw. r/Incense ist (wie man auf Neudeutsch sagt) eine Bubble. Eine Echokammer, in der Meinungen schnell für bare Münze genommen werden. Sie werden allzu oft unhinterfragt wiederholt und so verstärkt, bis sie von der Allgemeinheit als Fakt akzeptiert werden. Und in diesem Fall bin ich eindeutig Teil dieser Feedbackschleife geworden.
Als Forum mit enorm hohem Anteil an US‑amerikanischen Usern ist das Bild dort natürlich stark vom amerikanischen Markt geprägt.
Betrachte ich die Situation neu, ist der naheliegendste Schluss, dass die Veränderung auf dem amerikanischen Markt stattgefunden hat. Wie kann das aber sein?

In den USA gibt es zwei große Fachhändler für japanisches Räucherwerk: Kikoh Incense und Japan Incense. Kikoh gibt es erst seit 2017 und haben damals laut eigenen Angaben nur die „drei meistbekannten, japanischen Marken auf dem US-Markt“ verkauft (was Nippon Kodo, Shoyeido und eine dritte – möglicherweise Baieido – sein dürfen).
Um 2020/2021 war definitiv Japan Incense noch der bekannteste und vorherrschende Händler; er existiert bereits seit 2006 und hat ein Ladengeschäft in San Francisco namens Kohshi.

Ich habe keinen Einblick darin, wie diese Geschäfte operieren, und wie groß deren Lagerbestand möglicherweise ist, aber es ist naheliegend, dass sie möglichst große Chargen kaufen, um die Transportkosten aus Japan so gering wie möglich zu halten.
Von deutschen Räucherwerkhändlern weiß ich, dass Lagerbestände durchaus für Jahre reichen können.
Hochwertige, ordentlich gelagerte Räucherstäbchen werden nicht schlecht, sie reifen. Minoirien schreiben in ihrer Beschreibung zur Linie Fu-In: „[…] der Duft reift mit der Zeit und wird weicher.“ Außerdem weisen sie darauf hin, dass durch die Natürlichkeit der verwendeten Zutaten subtile Unterschiede erwartbar sind.

Meine Theorie ist folgende:

Ein großer Lagerbestand von Fu-In Sandalwood, ordentlich gelagert, reift möglicherweise über Jahre bei einem amerikanischen Händler und Kunden würden während dieser Zeit immer aus demselben Bestand kaufen. Sie bekämen immer dieselben Stäbchen, mit für sie gleichbleibendem Geruchserlebnis.
Würde dieser Lagerbestand erschöpft und durch eine frische Charge ersetzt, wäre der Unterschied wahrscheinlich drastisch genug, um ihn als Reformulierung zu interpretieren. Kommt diese neue Charge dann auch noch – anders als zuvor – in einer Exportverpackung, würde das diesen Eindruck natürlich noch bekräftigen.

Ich habe versucht, meine Theorie auf ihre Tragfähigkeit zu überprüfen, und bei Japan Incense nachgefragt; leider haben sie auf meine E‑Mail nicht reagiert.

Ich kann nicht ausschließen, dass es doch eine kleine Änderung in der Rezeptur von Fu-In Sandalwood gab, aber anhand dessen, was ich aktuell weiß, halte ich es für eher unwahrscheinlich.
Das Einzige, was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, dass zwischen älteren und neueren Stäbchen dieser Sorte ein deutlicher Unterschied wahrzunehmen ist.

Wird man unvermittelt mit diesem Unterschied konfrontiert, sind Enttäuschung und Frustration nachvollziehbar, denn die alten Fu-In Sandalwood sind fantastisch.
Trotzdem halte ich auch die Jüngeren für ausgesprochen gut und im Vergleich zu anderen, japanischen (und auch chinesischen) Sandelholz-Räucherstäbchen, die ich probiert habe, sind es definitiv die besten.
Kennt man die alten nicht, kann man sich in die neuen genauso sehr verlieben, und es wundert mich nicht, dass sie nach wie vor empfohlen werden, selbst sollte es tatsächlich eine Rezepturveränderung gegeben haben.

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